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Movements of Lindenau

Video- Tanzperformance
mit Hermann Heisig
60'

PREMIERE 04. November 2007,
LOFFT Leipzig







Movements of Lindenau Performance

„Um die Musik der Stadt zu entdecken, muss man sie betrachten.“ Henry Lefebvre

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Lindenau wird im LOFFT hautnah erfahrbar in einer Mischung aus Ein-Mann-Tanz und stummem Dokumentarfilm. Hermann Heisigs langer, schlaksiger Körper walzert und swingt die Straße entlang, als kriege er sich nicht mehr ein vor Freude, hier sein zu dürfen. Dann wieder fühlt er sich fremd. Staunend schaut er dem Wandel zu, um ihn dann nachzutanzen. Diese Movements of Lindenau sind passenderweise ungelenk, aber euphorisch. Ja, das hat was.
(Leipziger Volkszeitung)

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Eine Produktion von Diana Wesser in Koproduktion mit LOFFT.Leipzig und Tanzarchiv Leipzig
Idee+Realisation+Video+Sound: Diana Wesser | Inszenierung + Choreographie: Diana Wesser + Hermann Heisig | Tanz: Herman Heisig | Licht: Andrej Schwabe | Gefördert von: Stadt Leipzig - Kulturamt, Fonds Darstellende Künste, mit freundlicher Unterstützung des des Leipziger Tanztheaters

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Fotos: Michael Ehritt

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Ein paar Bemerkungen zur Performance „Movements of Lindenau“

Woran ich mich erinnere: man betritt den Raum, einen weißen Raum. Ein Projektionsfläche, ein Reinraum, ein Labor? Im Hintergrund eine Gerüstplane. Ein Mann liegt am Boden. Er ruht, wartet, lauscht? Geräusche aus dem Stadtraum werden eingespielt. Eine Brache, ein Platz, eine Straßenkreuzung? Mit Beginn der Performance beginnt auch das Spiel zwischen dem Mann – der sich als Tänzer entpuppt – und den Abbildungen. Zunächst hört man nur weiterhin die akustische, die Phonographie.  Der Mann beginnt, sich zu bewegen. Man erkennt: er versucht, seiner eigenen Abbildung, der Aufzeichnung seiner Geräusche, die zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort durch seine Bewegungen entstanden sind, gerecht zu werden. Er erinnert sich mit dem Körper an den Körper, transformiert und transportiert die Ursachen der Geräusche in den Raum, in dem wir uns jetzt befinden. Damit ist das Grundprinzip gelegt: die performative Aufbereitung einer Recherche im Stadtraum, deren Erinnerung, Transformation, Übersetzung.

Es folgt eine assoziative Kette von dokumentarischem Material, filmisch, choreographisch, akustisch. Die Transformationen reichen vom (phantastischen) Solo mit einem „unterwegs“ erworbenen kleinen Plastikblumengesteck – pur, ohne Zuspielungen – bis zu minutiösen Kopien, „pas de deux“ zwischen Leinwand und Tänzer. Die dramaturgische Konstruktion arbeitet mit Verschiebungen, sich langsam einschleichenden Unschärfen, Schnitten auch von einzelnen Ebenen, Transformation durch Wiederholung und Variation.

Das filmische Material reicht von der strengen Dokumentation eines Ortes und seiner choreographischen Erkundung, mit stehender Kamera gefilmt, über ein kleines, bezauberndes Tänzchen mit einem Cowboy in Orange bis hin zu Buster Keaton verpflichteten Stückchen versteckten Theaters im örtlichen Damencafé. Es entsteht Musik aus verlangsamten Pressluftbohrern, in Containern umherspringenden Menschen, zufällig vorbeifahrenden Autos. Und man sieht an diesem Abend einen Tänzer, der mal mit äußerster Präzision sich bewegend und mal nur sich selbst zuschauend all diese Erinnerungen, Beobachtungen und Interpretationen zu einem Ereignis verbindet. Das Ergebnis ist ein im besten Sinne äußerst subjektiver, liebevoller Blick auf ein Viertel und seine Menschen, ein echter Kontakt. Trotz der Vielfalt der gesammelten Erinnerungsstücke sieht man eine Ordnung, eine theatrale Erzählung. Sie berichtet von intuitivem Verständnis wie von Isolation, von Automatisierung und Autonomie, von Geräusch und Musik, Leben und Kunst.

Chris Weinheimer
 
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